Inhalt
Hänsel und Gretel
Singspiel
Text: Adelheid Wette und Hermann Wette
Musik: Engelbert Humperdinck
Moderne Dialoge: Tina Breckwoldt und Rebecca Scheiner
Inszenierung: Rebecca Scheiner
Bühne und Kostüm: Uta Knittel und Angelika Höckner
Schubertchor, Herbst 2005
Für die Herbsttournee des Schubertchors haben die Wiener Sängerknaben Humperdincks Klassiker Hänsel und Gretel in der gekürzten Singspielversion einstudiert. Die schwungvolle, bunte Inszenierung stammt von der jungen Deutschen Rebecca Scheiner, Regieassistentin und Abendspielleiterin an der Wiener Staatsoper. Für Scheiner, die im April 2007 die Uraufführung von Elisabeth Naskes Die Omama im Apfelbaum im Kinderzelt der Wiener Staatsoper inszeniert, ist es nach der Weltmusik-Oper Seidenstraße, einer Art orientalischem Roadmovie für die Bühne, und Raoul Gehringers 2004 uraufgeführter Kinderoper Moby-Dick die dritte Arbeit für die Wiener Sängerknaben.
Scheiner, der die Arbeit mit ihren jungen, quirligen Akteuren großen Spaß macht, weil die Jungs immer etwas Frisches, Lebendiges mitbringen, hat die Wiener Sängerknaben für Hänsel und Gretel in einen lebendigen Märchenwald verwandelt, in dem man auf alles gefasst sein muss. Manche Bäume schlagen aus (obwohl es gar nicht Mai ist), andere springen und Büsche huschen durch den bewegten Wald.
Ein Tisch ist ein Tisch
Die Sängerknaben spielen vor allem in Konzerthallen, nicht in Theatern; das heißt, eine Inszenierung muss mit wenigen Mitteln auskommen, muss flexibel sein. Das ist Scheiner gelungen: Sie hat die Sängerknaben kurzerhand zu lebenden Kulissen gemacht, sie sind nicht nur Bäume, sondern auch die Tapete im Elternhaus, der Tisch. Der Tisch spielt richtig mit; wir hatten sogar Tischproben. Wer auf der Bühne arbeitet, muss sich zum Schluss natürlich auch verbeugen, also auch ein Tisch.
Die bewegte Bühne
Scheiners Bühne ist ständig in Bewegung, ein Haus wird zum Wald, aus dichtem Wald wird eine Lichtung, Bäume entblättern sich und weichen schließlich Kindern. Alle Verwandlungen passieren auf der Bühne, vor den Augen des Publikums: Das ist Theater.
Ganz wichtig ist Scheiner, dass jeder ihrer Akteure ständig einbezogen ist. Ihre Charaktere sind wie Schauspieler geführt, und auch ein Busch hat einen Ausdruck. Die Regisseurin ist stolz auf ihre Knaben: Sie setzen um, was man ihnen sagt. Auf der Bühne sind sie plötzlich Hänsel und Gretel, oder eine Hexe.
Scheiner, die auch Musicals inszeniert, hat Humperdinck gehörig entkitscht ohne ihm seinen Charme zu nehmen. Ich wollte, dass die Jungs sich in dieser Inszenierung wohl fühlen und dass Kinder im Publikum sich wieder erkennen. sagt Scheiner, Hänsel und Gretel sind Kinder, die sich im Wald jagen und sich gegenseitig ein bisschen ärgern. In diesem Sinn hat die Regisseurin auch den kurzen Sprechtext adaptiert. Das kommt vor allem dem 13jährigen Xavier zu Gute, der die Gretel spielt.
Hexpertin in Sachen Lebkuchen
Und die Hexe? Die ist eine Diva, die an Lebkuchen forscht und sich mit widerspenstigem Hexengerät herumschlägt: die Tücken der Technik. Wir haben mit den Proben im Sommerlager der Sängerknaben begonnen; und einige der Requisiten stammen aus dem Wald um das Ferienheim. Amar, 12, der Darsteller des Hänsel, ist stolz auf den echten Knochen, den er aus dem Käfig streckt.
Uta Knittel und Angelika Höckner, die immer wieder für die Wiener Staatsoper und die Salzburger Festspiele arbeiten, zeichnen für die schrägen, bunten Kostüme verantwortlich; besonders stolz sind sie auf die Bäume, ebenso formschöne wie kleidsame Kostüme, die in mehreren Arbeitsgängen gefärbt, gewaschen, wieder gefärbt und besprüht wurden.
Natürlich tanzen Hänsel und Gretel; das ist klar, aber sie halten sich nicht an den Händen, sie tanzen Hip Hop und Salsa. Zum guten Ende tanzen schließlich alle, und auch die Hexe tritt noch einmal auf: Salsa, was denn sonst?
Hänsel und Gretel, Produktion 2003
