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Hotline
Alle Meldungen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Wir bitten Sie um Verständnis und Geduld.
Zwischenbilanz der Hotline im März 2011
Nach knapp einem Jahr zieht die Hotline der Wiener Sängerknaben erneut Bilanz. Wichtigstes Fazit: Die Hotline bleibt als Dauereinrichtung bestehen. Ihre Arbeit wird durch unabhängige Professionisten und Experten unterstützt.
Die Fakten:
Auf der Hotline der Wiener Sängerknaben sind insgesamt 20 Meldungen eingegangen; drei davon sind Meldungen nicht Betroffener, die einfach ihre Meinung äußern wollten. Dazu kommen vier Fälle, die in den Medien diskutiert wurden, die sich aber nicht direkt an uns gewandt haben. Drei Meldungen betreffen die 1940er Jahre, sechs die 1950er Jahre, sieben die 1960er Jahre, vier die 1970er Jahre, zwei die 1980er Jahre, einer die 1990er Jahre. Die letzte Meldung betrifft das Jahr 2000. Der älteste Betroffene ist 76, der jüngste 22. Vier der Meldungen blieben anonym. Die meisten Vorfälle sind strafrechtlich nicht relevant, weil sie sich zwischen Buben abgespielt haben. Ob ein Vorfall verjährt ist oder nicht, ist für uns unerheblich: wir möchten sie aufarbeiten. Auf der anderen Seite hatten wir auch Meldungen und Stellungnahmen von Ehemaligen, die sich gerne an ihre Sängerknabenzeit erinnern.
Wir nehmen jeden Vorwurf sehr ernst. Nach unseren Recherchen wurden alle Vorfälle in der Zeit, in der sie geschahen, nach damaligem besten Wissen und Gewissen behandelt. Heute setzt man andere Maßstäbe an; die Gesellschaft und auch die Rechtsprechung haben sich Gott sei Dank geändert.
Wir gehen jedem Hinweis nach; jede Meldung, jeder Fall ist uns wichtig. Dabei ist es für uns unerheblich, wann etwas geschehen ist; alle Erinnerungen, negative wie positive, gehören zu unserer Geschichte. Leider ist die Aufarbeitung ein langwieriger Prozess: Unser Archiv befindet sich im Aufbau; so haben wir etwa keine digitalisierten Akten. Um die Vertraulichkeit zu gewährleisten, haben wir nur eine Person mit diesen Recherchen befasst. Diese Person bekommt Hilfe und Unterstützung von unabhängigen Psychologen und anderen Experten, die auch helfen, die Arbeit der Hotline kritisch zu hinterfragen. Wir suchen nach Dokumenten und Hinweisen; gleichzeitig forschen wir nach etwaigen Zeitzeugen. Einige ehemalige Mitarbeiter und Sängerknaben haben sich gemeldet, die bei der Aufklärung helfen wollen.
Wir möchten betonen, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen sich bei uns gemeldet haben; wir danken ihnen für ihren Mut. Wir sind dankbar für die Möglichkeit, uns mit ihnen mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es gilt, gemeinsam weitere Schritte zu finden und zu setzen, sofern das gewünscht ist. Wir bieten auf jeden Fall immer wieder das Gespräch an; wo möglich, werden erfahrene Psychologinnen und Psychologen hinzugezogen. Wir sehen in unserer Hotline eine Chance: Nur eine gute Aufarbeitung aller Vorwürfe kann eine Basis für die Zukunft schaffen.
Ausblick:
Die Hotline bleibt weiter bestehen - hier kann man sich mit allen Anliegen melden; anonym oder mit Namen, per Telefon oder Email. Jeder erinnert sich in einem anderen Tempo, und es kann kein Zeitlimit geben. Unsere Möglichkeiten zur Hilfe sind beschränkt, aber wir nehmen uns die Zeit und haben den Willen, uns mit allen Vorwürfen auseinanderzusetzen und uns Lösungen zu überlegen: Das können wir anbieten, und das tun wir sehr gerne.
Vertraulichkeit ist uns besonders wichtig; auch im Sinne der Betroffenen. Wir wollen vor allem die derzeitigen Sängerknaben und die Mädchen und Buben, die unsere Schulen besuchen, schützen: Sie dürfen unter der Aufarbeitung nicht leiden.
Übergriffe und Missbrauch sollen nicht nur nicht geduldet sondern auch geahndet werden. Das ist uns und den Betroffenen ein Anliegen. Wichtig ist auch zu wissen, dass sich die Verhältnisse grundlegend gewandelt haben: Heute haben die Wiener Sängerknaben einen Stab von elf gut ausgebildeten und sorgfältig ausgesuchten Erzieherinnen und Erziehern; jeder Chor wird von einer Frau und einem Mann betreut. Darüber hinaus gibt es Kapellmeister, Stimmbildner, Regisseure, Dramaturgen, Lehrer, kurz, einen ganzen Pool von Personen, an die die Kinder sich jederzeit mit ihren Anliegen wenden können. Die Kinder haben im Internat ein zweites Zuhause. Hier leben sie, gehen zur Schule, singen, spielen und streiten sich auch manchmal.
Die Erzieher haben eine unabhängige Supervision, und es gibt eine regelmäßige psychologische Betreuung für Kinder und Erwachsene. Neben dem schulpsychologischen Dienst stehen uns unabhängige Therapeuten zur Seite. Wir halten Seminare und Workshops zu Gewaltprävention ab. Es gibt einen anonymen Rat- und Kummerkasten. Die Kinder sind in Zwei- und Dreibettzimmern untergebracht; jedes Zimmer ist mit einer eigenen Dusche ausgestattet. Zum Campus gehören eine Volksschule und eine neue Oberstufe mit Mädchen: Die Mädchen sind ein ganz wichtiger sozialer Faktor.
Die Eltern nehmen Stellung
13-04-2010
Die Stellungnahme des Elternvereins der Wiener Sängerknaben zu den Missbrauchsvorwürfen und der Berichterstattung in den Medien finden Sie hier:
Hotline - Zweite Zwischenbilanz
31-03-2010
Elf Betroffene haben sich bisher gemeldet; zwei Meldungen sind anonym. Wir nehmen jeden Vorwurf sehr ernst. Man muss dennoch zwischen physischer, psychischer und sexueller Gewalt unterscheiden und auch, ob es sich bei dem/n mutmaßlichen Täter/n um ein anderes Kind, einen Jugendlichen oder einen Erwachsenen handelt.
Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Jeder Vorwurf wird erfasst und dem richtigen zeitlichen Rahmen zugewiesen; dann suchen wir nach Unterlagen, Korrespondenz oder Dokumenten in unserem Archiv. Gleichzeitig suchen wir nach möglichen Zeugen. Einige ehemalige Mitarbeiter und Sängerknaben haben sich gemeldet, die bei der Aufklärung helfen wollen. Wir gehen jedem einzelnen Hinweis nach: daher bitten wir alle Betroffenen um Geduld.
Die Gespräche mit den Betroffenen liegen uns besonders am Herzen.
Wir möchten betonen wie wichtig es ist, dass sie sich bei uns gemeldet haben; wir sind dankbar für die Möglichkeit, uns mit den Beteiligten mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wir sehen darin eine Chance: Nur eine gute Aufarbeitung aller Vorwürfe kann eine Basis für die Zukunft schaffen. Die nächsten Schritte müssen mit den Betroffenen überlegt und besprochen werden. In einem weiteren Schritt werden wir, wo nötig, unabhängige Psychologen oder Psychotherapeuten beiziehen.
Vertraulichkeit ist in dieser Phase essentiell. Wir wollen vor allem die derzeitigen Sängerknaben und die Mädchen und Buben, die unsere Volksschule und unseren Kindergarten besuchen, schützen: Sie dürfen unter dieser Aufarbeitung nicht leiden.
Hotline - Erste Zwischenbilanz
18-03-2010
Übergriffe, ganz gleich welcher Art, auch wenn sie in der Vergangenheit liegen, stellen ein Unrecht dar, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen und wollen. Selbst wenn eine Tat vor dem Gesetz verjährt ist oder in den Augen des Gesetzes gar keine Straftat darstellt, sind die Wunden ja noch da, und darum wollen wir uns kümmern.
Niemand kann Unrecht ungeschehen machen. Im Moment ist das Wichtigste zuzuhören.
Bereits am Freitag haben wir eine vertrauliche Hotline eingerichtet; man kann uns dort unter der Telefonnummer (01) 216 39 42 45 und per Email (saengerknaben_hotline@live.at) erreichen.
Bislang haben sich acht Personen gemeldet; zwei der Personen, die sich beim Standard gemeldet haben, haben inzwischen auch uns über die Zeitung kontaktiert. Wir sind sehr dankbar für diese Meldungen und freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen.
Auf der Hotline melden sich auch ehemalige Sängerknaben aller Generationen, die hier eine sehr schöne Zeit erlebt haben.
Wir sammeln erst einmal, dann prüfen wir die jeweilige Sachlage. Wir möchten mit allen Beteiligten reden und gemeinsam versuchen herauszufinden, was wir tun können. Unsere Ziele sind die Aufklärung etwaiger Fälle, Gerechtigkeit und Hilfe für die Betroffenen und das Verhindern zukünftiger Übergriffe.
Die Meldungen auf unserer Hotline sind namentlich erfolgt. Die Ältesten sind über 70, die Jüngsten etwa 40 Jahre alt. Wir möchten die geschilderten Übergriffe oder Erlebnisse derzeit bewusst nicht werten, weil wir glauben, dass die jeweilige Verletzung gleich ernst zu nehmen ist. Es ist dennoch zwischen physischer, psychischer und sexueller Gewalt zu differenzieren, und auch, ob es sich bei dem/n mutmaßlichen Täter/n um ein anderes Kind, einen Jugendlichen oder einen Erwachsenen handelt.
Die Wiener Sängerknaben haben weibliche und männliche Erzieher, Supervision wird selbstverständlich und regelmäßig durchgeführt. Es gibt einen Kummerkasten sowie verschiedene Psychologen und Psychiater, die uns beratend unterstützen. In der Schule gibt es das Fach Soziales Lernen, hier lernen die Kinder, wie sie respektvoll und verantwortungsbewusst miteinander umgehen. Seit letzten Herbst gibt es ein Gewaltpräventionsprojekt der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien, das in Zusammenarbeit mit dem Elternverein durchgeführt wird. Vor allem gibt es einen sehr offenen Dialog zwischen Kindern, Eltern, Erziehern, Kapellmeistern und Lehrern. Jedes Kind hat im Haus mehrere Anlaufstellen, an die es sich im Bedarfsfall wenden kann.
Wir müssen die einzelnen Vorwürfe jetzt im Detail prüfen; vielleicht gibt es Akten oder Unterlagen aus der Zeit dazu, vielleicht gibt es Zeugen. Wir sind dabei, ehemalige Mitarbeiter zu kontaktieren und um Mithilfe bei der Aufklärung und Aufarbeitung zu bitten. Mehr können wir im Moment nicht sagen: Die Hotline ist vertraulich, und weitere Schritte und Maßnahmen müssen mit den Betroffenen gesetzt werden. Das kann eine Zeit lang dauern.
Während dieser Phase stehen wir für Fragen zur Verfügung; wir bitten aber um Verständnis, wenn wir hier sehr behutsam vorgehen. Unsere höchste Priorität muss der Schutz der aktuellen Sängerknaben sein, die unter der Aufarbeitung nicht leiden dürfen.
Aufruf
Hotline für Betroffene
