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Moby-Dick
Libretto: Tina Breckwoldt nach Herman Melville
Musik: Raoul Gehringer
Inszenierung: Rebecca Scheiner
Bühne und Kostüme: Martin Mohr
Mozartchor 2004, Musikverein, Allegretto
Bilder: Aufführung
Die Wiener Sängerknaben fangen einen dicken Fisch:
Musikalischer Stapellauf von Raoul Gehringers Kinderoper Moby-Dick im Wiener Musikverein
Zum zweiten Mal hat Allegretto, der Musikclown des Musikvereins, die Wiener Sängerknaben eingeladen, eine Uraufführung im Brahmssaal zu veranstalten. Diesmal verwandeln sich die Wiener Sängerknaben in olle Seebären. Komponist ist Raoul Gehringer, Kapellmeister des Mozartchors der Wiener Sängerknaben. Gehringer, selbst ehemaliger Sängerknabe, hat sich den Stoff von Kapitän Ahabs bessener Jagd auf den weißen Wal schon zu seiner Sängerknaben-Zeit ausgeguckt und mit seiner Begeisterung die Darsteller der Uraufführung, seinen Mozartchor, angesteckt.
Schon auf ihrer letzten Tournee durch Mexiko und die USA haben die Sängerknaben den Walfänger-Shanty Ruben Ranzo kennen gelernt, den Gehringer in seine Musik eingebaut hat, und seither sind sie Feuer und Flamme für alles, was mit Walen zusammenhängt. Besonders Pottwalen. Sie haben mit der Librettistin Tina Breckwoldt Seekarten studiert, Wanderrouten der Wale, Fotos und Bücher durchstöbert, sogar in alten Logbüchern gelesen.
Am beeindruckendsten finden sie, dass echte Wale Schiffe versenkt haben. Sie sind froh, dass die große Walfängerzeit vorbei ist: Es sind sehr schlaue Tiere. Und sie sind auch ziemlich musikalisch, meint Oskar, 12. Und so geht es denn auch in der Sängerknaben-Version für den Wal gut aus. Moby Dick beseitigt den besessenen Kapitän und verschont das Schiff und seine Besatzung, der Wal wird als Held gefeiert.
Gehringer, Schüler von Heinz Kratochwil, komponiert tonal, aber vor allem emotional. Für ihn ist der Text, sind Wortrhythmus und Sprachmelodie der Ausgangspunkt. Ein Kirchenlied hat er für seine Oper erfunden, Melvilles The ribs and terrors of the whale verwandelt sich am Schluss der Oper in einen versöhnlichen Choral mit deutschem Text. Einige prägnante Motive führen durch die Oper, auch mit mehr als einem Augenzwinkern: Die Tonfolge fis, c, h kündigt den Wal an, Ahab hinkt immer mit einer abfallenden Quart, und die Ratten tanzen auf dem Äquator. Dramatische Sprach- und Tonverschränkungen gibt es in den Fangbooten und beim Sturm am Schluss. Moby-Dick ist für Kinder komponiert; man soll die Oper begreifen, erklärt der Komponist. Bei den Wiener Sängerknaben hört man seit Wochen kurze Passagen aus der Oper nicht nur in den Proben, sondern auch beim Essen, in den Schulpausen oder im Schwimmbad. Es geht mir nicht aus dem Kopf, sagt Georg, 14, der den Ahab spielt. Hörst du mich, Moby-Dick? Hier steht Ahab, dein Bezwinger. Da hat Ahab allerdings die Rechnung ohne den Wal gemacht.
Rebecca Scheiner, Abendspielleiterin und Regieassistentin an der Wiener Staatsoper, bringt den Walfang auf die Bühne. Mit Bühnenbildner und Bildhauer Martin Mohr verwandelt sie den Brahmssaal in die sieben Weltmeere.
Für Scheiner geht es um Obsession, Rache, Manipulation einer ganzen Mannschaft. Ahab ist ein Rattenfänger, sagt sie, alle anderen an Bord sind die Ratten, die ihm folgen. Nur Steuermann Starbuck und Ahabs eigenes Orakel Elias haben ihren eigenen Kopf. Aber der eine ist zu moralisch, der andere zu verrückt um sich gegen den Kapitän aufzulehnen.
Scheiner hat großen Spaß an der Arbeit mit den Sängerknaben, und die umgekehrt auch an der Arbeit mit ihr. Die Jungs bringen immer so etwas Frisches und Lebendiges mit, sagt die Regisseurin. Frau Scheiner ist cool, geben die Knaben das Kompliment zurück.
Die Sängerknaben freuen sich über die Einladung des Musikvereins und über die neue Produktion, die das Kunststaatssekretariat Morak finanziell unterstützt hat. Kinderoper hat eine lange Tradition bei uns, sagt Gerald Wirth, die Kinder lieben die Herausforderung, und Moby Dick ist eine große.
