Inhalt
Die Reise des kleinen Prinzen
Oper in vier Akten für Kinder nach dem Buch von Antoine de Saint-Exupéry
Libretto: Kirk Miles und Gerald Wirth
Musik: Gerald Wirth
Im Sommer 1995 fasste Gerald Wirth den Entschluss, eine neue Kinderoper nach Antoine de Saint-Exupérys Buch Der kleine Prinz zu schreiben. Im Winter desselben Jahres begannen Wirth und der kanadische Theaterschriftsteller und Schauspieler Kirk Miles mit der Arbeit am englischen Libretto. Das Libretto wurde im Januar 1997 fertiggestellt, die Musik im März 1997. Die Oper wurde am 30. Mai 1997 in Calgary uraufgeführt. Der Calgary Boys Choir hat die Oper unter der Leitung des Komponisten auf CD aufgenommen.
2000 inszenierte Reinhard Winter die Oper mit den Wiener Sängerknaben für den Musikverein; eine verkürzte Fassung war auf Tournee in Japan und Deutschland zu sehen. 2002 wurde eine aufwändige Neuproduktion von "Die Reise des kleinen Prinzen" im Kinderzelt der Wiener Staatsoper gezeigt; Regie führte Titus Hollweg.
Titus Hollwegs Inszenierung
Inhalt der Oper
Ein Pilot stürzt mit seinem Sportflugzeug über der Wüste ab. Während er seine Maschine repariert, erscheint der kleine Prinz, ein Sternenreisender, der seit einem Jahr durch das Universum reist. Der Prinz, der selbst von einem kleinen Planeten stammt, erzählt dem Piloten von den seltsamen Begegnungen mit den Bewohnern anderer Planeten. Die Begegnungen sind symbolisch, und zeigen dem kleinen Prinzen, worauf es wirklich ankommt im Leben: Freundschaft und Liebe.
Synopsis (ausführlich)
Prolog
Der Pilot eines kleinen Sportflugzeugs berichtet von einem Absturz über der Wüste, der sich vor Jahren zugetragen hat. Während er, allein in der Wüste, sein Flugzeug reparierte, erschien plötzlich der kleine Prinz, und von dieser Begegnung handelt die Oper.
Der Pilot zeigt eine Zeichnung, die er vom Prinzen angefertigt hat, und erklärt, warum diese nur unzureichend ist (sie ist lange nicht so schön wie der echte kleine Prinz): Als Kind hat er viel gemalt, aber die Erwachsenen konnten oder wollten seine Bilder nicht verstehen. Also gab er das Zeichnen auf.
I. Akt
Szene 1
Auf einmal steht der kleine Prinz neben dem Piloten und bittet ihn, ein Schaf zu zeichnen. Der Pilot ist von dieser seltsamen Bitte etwas überrascht, unternimmt aber mehrere Versuche, die alle scheitern: er kann kein richtiges Schaf zeichnen. Da verfällt er auf die Idee, eine Schachtel zu zeichnen, in der sich das Schaf befindet. Der Prinz ist hochzufrieden: er will das Tierchen auf seinen Heimatplaneten mitnehmen, zur Gesellschaft. Er erzählt dem Piloten von seinem Heimatplaneten und von seiner Reise zur Erde.
Der Heimatplanet des Prinzen ist klein, wie der Prinz selbst. Er wurde von einem Astronomen entdeckt. Dessen Entdeckung nahm zunächst niemand ernst, da der Astronom seltsam gekleidet war. Also zog er sich elegant und eindrucksvoll an, und sofort glaubten ihm alle.
Szene 2
Eines Tages wächst eine wunderschöne Rose auf dem Planeten des Prinzen. Zunächst ist der Prinz erfreut, so etwas Schönes hat er noch nie gesehen, und die Rose versichert ihm auch, dass sie etwas Einzigartiges ist. Der Prinz ist bereit, alles für seine Rose zu tun.
Die zickige Rose nutzt das aus; sie quält den kleinen Prinzen mit ihren Launen, bis er es nicht mehr aushält und seinen Planeten verlässt. Zu spät merkt er, dass er seine Rose liebt, und sie ihn. Ich hätte sie niemals verlassen dürfen. Aber ich war einfach zu jung zu wissen, wie ich sie lieben sollte.
II. Akt
Der kleine Prinz landet auf verschiedenen Planeten, auf denen er die verschiedensten Personen trifft. Er trifft einen Eitlen, der nur bewundert werden will. Da er allein lebt und niemanden hat, der ihn bewundert, kommt ihm der kleine Prinz gerade recht.
Auf dem nächsten Planeten trifft er einen König, der sich als absoluter Herrscher bezeichnet. Das ist ein Kniff; der König ahnt wohl, dass ihm nicht alle seine Untertanen gehorchen würden, hätten sie die Wahl. Also befiehlt er Ereignisse, die sich gerade zutragen oder zutragen müssen; so befiehlt er der Sonne in dem Moment aufzugehen, in dem sie ohnehin aufgeht.
Er begegnet einem Geschäftsmann, der glaubt, das Universum zu besitzen, da er alles zählt und verbucht. Er trifft auf zwei Laternenanzünder, deren Lebensinhalt es ist, Laternen an- und auszuschalten, ohne darüber nachzudenken, ob das sinnvoll ist. Sie folgen blindlings ihren Anordnungen.
Schließlich kommt der Prinz zu einem Geographen, einem echten Wissenschaftler, der sich für einen bedeutenden Mann hält, weil er alles aufschreibt. Der Prinz freut sich, endlich jemanden getroffen zu haben, der scheinbar etwas Wichtiges macht, muss aber feststellen, dass auch die Arbeit des Geographen letztlich unsinnig ist: er führt nur Listen und interessiert sich nicht für Zusammenhänge und Vergängliches wie zum Beispiel die Rose, oder Menschen.
III. Akt
Im dritten Akt landet der Prinz auf der Erde.
Er führt eine Unterhaltung mit einer Schlange (ich bin weit mächtiger als ein König; zwar hab ich keine Füße, doch bring ich dich weiter als jedes Schiff). Dann lernt er ein Echo kennen. Da er nicht versteht, was ein Echo ist, hält er es für ein einfallsloses Wesen, das einfach alles nachplappert.
Er gelangt an einen Rosengarten und muss feststellen, dass seine Rose nicht die einzige Rose im Universum ist, sondern dass es ganze Gärten mit Tausenden solcher Rosen gibt.
Ein Fuchs erklärt ihm dann, dass es die Freundschaft ist, die seine Rose besonders macht, und die Zeit, die er mit der Rose verbracht hat, ihr gewidmet hat. Man kann nur mit dem Herzen richtig sehen. Für unsre Augen ist das Wesentliche unsichtbar. Der Chor der Weichensteller schließlich beschreibt die sinnlose Hektik der Menschen.
IV. Akt
Szene 1
Der kleine Prinz ist am Ende seiner Erzählung angelangt, der Pilot kümmert sich um sein Flugzeug.
Szene 2
Die Schlange erscheint zum zweiten Mal und wiederholt, was sie vorher bereits gesagt hat: sie kann den kleinen Prinzen weiter bringen als jedes Schiff. Der Prinz verabschiedet sich in einer Arie von dem Piloten, seinem Freund, lässt sich von der Schlange beissen und kehrt so zu seinem Planeten zurück.
Epilog und Nachspiel
Der Pilot teilt seine Erinnerungen an den kleinen Prinzen mit dem Publikum. Zum Schluss tritt der kleine Prinz noch einmal auf. Unterstützt vom Chor, fasst er die Quintessenz der Oper, zusammen: Man kann nur mit dem Herzen richtig sehen.
