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Bericht im Nachrichten-Archiv (mit Bildergalerie)
Zurück zu den Würfeln
Während der Langen Nacht der Kirchen 2007 sangen die Wiener Sängerknaben mit dem Chorus Viennensis in der bis zum letzten Platz gefüllten Hofburgkapelle Musik von Josquin Desprez, dem Superstar unter den Renaissance-Komponisten. Zu seinen Fans gehörten Martin Luther, die Päpste Innozenz VIII. und Alexander VI. und auch Kaiser Maximilian: Josquins Musik war Teil des Repertoires der Wiener Hofkapelle.
Sängerknaben und Chorus nahmen die Lange Nacht zum Anlass, das selten aufgeführte Repertoire einzustudieren; die Knaben fanden den Renaissance-Giganten "ziemlich cool, weil er soviel gereist ist". Auch die Musik hat es ihnen angetan. " Es klingt komplett anders als Mozart oder so. Die Töne sind wie lange Fäden."
Die Missa di dadi ist ein Würfelspiel: Die Spieler sind der Mensch und der Teufel, und der Preis ist die Seele. Zu Josquins Zeit dürfte das eine gewagte Metapher gewesen sein: Würfel galten als Instrumente des Teufels, Würfelspielen als halbseiden und unmoralisch. In der Bibel würfeln Soldaten um Jesus Kleider. Immer wieder wurde Würfeln im Mittelalter und in der Renaissance strafrechtlich verfolgt. Geistliche hatten schon gar nicht zu würfeln, und Josquin holt die Würfel ausgerechnet in die Kirche.
Zu Beginn eines jeden Würfelns lässt Josquin die Tenöre einen zeitgenössischen Gassenhauer singen: Naray je jamais mieulx - Werde ich niemals etwas Besseres haben? Das Liebeslied hat nichts mit der Kirche zu tun; allerdings dürfte es jeder Kirchgänger erkannt haben.
Das Würfelmatch wogt hin und her, der Teufel zieht jedes Mal gleich, bis der Mensch endlich mit Gottes Hilfe im Sanctus eine Sechs würfelt und damit das Spiel für sich entscheidet. Der Sieg ist kein Zufall; im liturgischen Ablauf erscheint an dieser Stelle die Hostie, also Jesus. Zum ersten Mal lässt Josquin das ganze Lied singen, diesmal vom Bass, und der steht für Christus:
Narés vous jamais cognoissance / Que je suy vostre et demouray?
Werdet ihr niemals merken, / dass ich der eure bin und bleibe?
Motetten von Josquin sind auch Teil des Repertoires von Curt Faudons Film-Dokumentation über die Sängerknaben: In der historischen Collage sind gleich zwei Sätze aus dem Karfreitagszyklus "O Domine Jesu Christe" zu sehen und - in Dolby Surround - zu hören.
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